Es sollte klar sein, dass viele Punkte bei diesem Thema nicht ausführlich behandelt werden konnten. Viele Fragen stellen sich weiterhin und benötigen weiterer Diskussion. So geht es hierbei auch weniger um Antworten, sondern vielmehr um Grundlagen.
Der Sinn und Kern dieser Arbeit liegt darin, ein Dilemma aufzulegen, welches von Seiten der Tierrechtsbewegung gerne übersehen und von Seiten der Behindertenbewegung gar nicht ernst genommen wird (zumindest nicht auf der inhaltlichen Ebene).
Meiner Meinung nach ist es wichtig, Rechte für behinderte Menschen auch »außerreligiös«, unter säkularen Bedingungen begründen zu können und deswegen denke ich, wird auch die Behindertenbewegung letztlich am Thema »Tierrechte« ebensowenig vorbeikommen, wie die Tierrechtsbewegung am Thema »Peter Singer«.
Ich habe mich während der Erstellung dieser Arbeit oftmals dabei ertappt, wie mir folgende Gedanken durch den Kopf gingen:
Wie kann mir dieser Satz ausgelegt werden?
Verletze ich mit diesem Satz Gefühle von behinderten Menschen?
Sollte ich vielleicht doch ein bisschen gemäßigter...usw.
Diese Gedanken sind vorgekommen (eigentlich hat mich die Arbeit »emotional« 24 Stunden am Tag beschäftigt) und ich habe versucht, sie möglichst auszuschalten. Es ist natürlich richtig und wichtig, auf die Gefühle von behinderten Menschen gerade bei solch einem Thema, Rücksicht zu nehmen. Dies kann aber nicht dazu führen, jeden Einwand, den ich für nicht korrekt halte, nur deshalb zu berücksichtigen, weil er von einem behinderten Menschen kommt. Gerade in der »Singer-Debatte« gab und gibt es auch behinderte Menschen, die »einen Sitz im Rollstuhl mit einem Papstthron verwechseln«. [281] Es gibt in der »Singer-Debatte« auch sehr viele Nichtbehinderte, die solchen Personen unkritisch und unhinterfragt ihre »solidarische« Unterstützung anbieten. Eine Behinderung ist somit keine Behinderung, sondern eine Qualifikation.
Auch dies ist nichts anderes als der »Pannwitzblick«.
Thorsten Ullrich