Soyatoo - Die Soyasahne! Rein pflanzlich - cholesterinfrei - unschlagbar schlagfertig! In der Sprühdose oder im Combibloc zum Selbstaufschlagen

home  ‹  bibliothek  ‹  allgemeines  ‹ 

Ein Vortragstext von Sina Walden vorherige Seite Seite 8 / 15 vorherige Seite

Das Tier in Religion,
Recht und Ethik


 
Frühe Christen / Dogmatik / Schlussfolgerung
 
Aus dem Alten Testament also stammt die Idee von dem Menschen als Gottes Ebenbild. So wurde auch sein Sohn zum Menschen. Der Gedanke, den Robert Musil im 20.Jh. einmal so schön formuliert hat, lag sehr fern: »Wenn Gott Mensch werden konnte, konnte er auch Katze werden«.

Es hätte alles auch ganz anders kommen können. Im frühen Christentum lag eine einmalige Chance, eine Tierethik zu entwickeln, die uns und vor allem den Tieren zwei Jahrtausende lang eine andere Welt beschert hätte. In den Urgemeinden herrschten verbreitete Tendenzen zur Ausdehnung des Prinzips der Nächstenliebe auf die anderen leidenden Wesen. Dort sammelten sich vielfach Menschen, die als Sklaven, Arme, Ausgestoßene, Rechtlose ihre Leiderfahrungen einbrachten und auf Erlösung durch den neuen Gott der Milde hofften. Die neuen Töne sprachen mit Sicherheit auch vor allem die an, die man, ganz einfach gesagt, als die besseren Menschen bezeichnen kann, solche, die des Mitgefühls fähig waren, die in dem von Machtmißbrauch und grotesken Exzessen gekennzeichneten Römischen Reich der Kaiserzeit nach Gerechtigkeit suchten, die Sensibleren, die man sich kaum als das Stammpublikum der Tierkämpfe und Massaker des römischen Zirkus vorstellen kann. Es ist zu vermuten, daß sich innerhalb dieser Gemeinden Mehrheiten gegen den Mainstream der Achtlosigkeit, der Grausamkeit, der Gewalttätigkeit, des Zynismus bildeten, die Menschen und Tieren seit Urzeiten das irdische Leben zur Hölle machten. Die vegetarische Lebensweise vieler Gemeinden ist bezeugt. Die tierfreundlichen Denk- und Verhaltensweisen konnten sich aus verschiedenen Quellen speisen: direkt aus dem als christlich legitimierten Mitgefühl; aus dem Verständnis aller Geschöpfe, arm und reich, hoch und niedrig, Mensch und Tier, Mann und Frau als Kinder Gottes; aus Teilen der noch sehr aktuellen pythagoreischen Lehre und aus der vermutlichen Ursprungssekte des Jesusglaubens, der Essener, die ebenfalls Vegetarier waren. Diese verstreut lebenden Christengruppen wurden auch vermutlich weniger von dem gelehrten Unfug ihrer Oberen erreicht, die ihre Spekulationen über die Natur der Seele auf dem Rücken der Tiere austrugen. Die überaus kenntnisreiche französische Schriftstellerin Marguerite Yourcenar, (1987 gest.) weist auf die Fülle der tierfreundlichen Folklore, auf die Heiligenlegenden des frühen Christentums bis ins hohe Mittelalter hin.

Es war jedoch das doktrinäre, knöcherne, lebensfeindliche, naturferne Denken der christlichen Dogmatiker, das die Herrschaft an sich riß. Es knüpfte ebensowenig an die mitleidsvolle Frömmigkeit der einfachen Gläubigen an wie an die naheliegende Vision des Garten Eden in der Priesterschrift des Alten Testaments, die immerhin auf der ersten oder zweiten Seite jeder Bibel steht und ähnlich wie Empedokles oder der Prophet Jesaja einen Zustand beschwört, in dem Menschen und Tiere gewaltlos miteinander leben und sich von pflanzlicher Kost ernähren. Nicht einmal ins Jenseits, auf das alle Hoffnungen ausgerichtet wurden, werden Tiere aufgenommen. Es ging ja um »Höheres«, um die abstrakte Seele, um abstrakte Fragen, die diese Abstraktion hervorrief. In Ermangelung der menschlichen »Vernunftseele« und Menschensprache konnten sich Tiere ja auch nicht in die Dispute über die Erbsünde oder die Natur der Engel einmischen, (die z. B. im 13. Jh. die Scholastiker und Thomas von Aquin bis zum Exzess trieben,) und ihre weniger abstrakten Interessen vertreten. Nichts leichter, als sie für nicht erlösungsfähig zu erklären. Sie wurden zum Gegenbild der menschlichen Auserwähltheit hinabstilisiert, von dem der Mensch sich erst so richtig abheben konnte, (vorausgesetzt, daß er sich taufen ließ.)

Ich fürchte, wir haben hier den Schlüssel für die eingangs gestellte Frage nach dem gewaltigen Unterschied zwischen Mensch und Tier gefunden, der die um 180 Grad verdrehte Bewertung und Behandlung von Tieren rechtfertigen soll: Die scheinrational begründete grundsätzliche Andersartigkeit des Menschentiers durch ein unseliges Amalgam aus den jeweils ungünstigsten Bestandteilen der Gedankenspiele der Alten Welt. Der falschen Biologie des Aristoteles wurde die willkürliche Idee eines menschenähnlichen Gottes aus der mythischen Bildwelt eines alten Hirtenvolkes aufgepfropft (oder umgekehrt). Das evolutionsgeschichtlich unmögliche Konzept einer auf den Menschen zugeschnittenen, auf ihn hinzielenden Welt, wie sie sich die Stoiker in ihren Wandelgängen zusammenfabulierten und wie sie sich im Alten Testament ohne Anspruch auf Wahrscheinlichkeit als purer Glaube vorfand, erhielt als Krönung noch die auf persönliche Unsterblichkeit transzendierende Seele hinzugefügt, und diese wiederum wurde zum Ausgangspunkt für die Ausgrenzug aller Lebewesen, die nach Meinung der kirchlichen Theoretiker einer solchen nicht teilhaftig waren.
 
 


Bitte Stichwort
eingeben und
»Go« drücken


Einleitung
Mensch und Tier
oder Menschen und
Tiere
Vorchristliche
Konzepte
Exkurs: Die Taube
Pythagoras und
Empedokles
Von Aristoteles
zu den
Kirchenvätern
Das Judentum
Frühe
Christen /
Dogmatik /
Schlussfolgerung
Beginn der
Neuzeit /
Descartes
Das
Spieglkabinett
der Ethik
Kant, Bentham und
der Beginn des
Tierschutzes
Darwin und die
Moderne
Der schwere
Abschied /
Umweltschutz
Rechtsstellung
und Doppelmoral
Moderne
Ansätze und
Schluss

 
vorherige Seitenach obenvorherige Seite
home  |  suche  |  bibliothek  |  guide  |  service  |  kontakt
 © coronis - 2000