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Das Tier in Religion, Recht und Ethik
Pythagoras und Empedokles
Neben und nach der klassischen Mythologie stoßen wir im antiken Griechenland auf zwei nicht-religiöse, philosophische Grundlinien, die direkten Einfluß auf das Mensch-Tier Verhältnis für die folgenden Jahrhunderte und Jahrtausende haben sollten. Schon im 6. vorchristlichen Jahrhundert der Zeit, in der auch Buddha wirkte begegnen wir einem Denker, den wir eher als Naturwissenschaftler und Philosophen einzuordnen haben und der eine ethische Lehre begründet hat, die die Tiere einschließt: Pythagoras, dem heute noch jedem Schulkind als Begründer des Pythagoreischen Lehrsatzes bekannten Mathematiker, der bereits rund 2000 Jahre vor Galilei und Kopernikus die Kugelgestalt der Erde und ihren Umlauf um die Sonne erkannt hatte. Von Pythagoras und seiner in Unteritalien wirkenden Bruderschaft ging eine Wirkung aus, die Jahrhunderte überdauerte, Schulen bildete und zu immer neuen Bünden und Vereinigungen die Kraft fand. Kernpunkt des praktischen Lebens der Pythagoreer war der Vegetarismus und das Mitgefühl mit Tieren. (Die ersten Vegetarierbünde der Neuzeit in unserem 19. und 20. Jh. nannten sich wieder Pythagoreer.) Die religiös-philosophische Verankerung lag in der Lehre von der Seelenwanderung, zu der das Gleiche zu sagen ist, wie zu ihrer buddhistischen Version. Ob Glaube oder metaphorische Einkleidung im Ergebnis führt diese Vorstellung die Tiere sehr nahe an den Menschen heran.
Der fast ebenso berühmte Pythagoras-Schüler Empedokles (500 440 v. Chr.) lehrte, daß alle Weltmaterie aus den gleichen Stoffen besteht, sich in unendlich kleinen Teilchen immer wieder neu zusammensetzt und potentiell Denkkraft und Seele besitzt. Die modernen Wissenschaften wie Molekularbiologie, Atomphysik oder Wärmelehre sind davon nicht weit entfernt. Nur daß Empedokles aus dieser innersten, stofflichen Verwandtschaft eine ethische Folgerung zog: die Güte gegen alles Gestalt gewordene Leben. Von ihm ist u. a. eine in die klassische Form der rückwärts gerichteten Utopie gekleidete Beschreibung des Goldenen Zeitalters überkommen: »Doch mit lauterem Stierblut ward kein Altar benetzt, sondern dies war unter den Menschen die größte Befleckung, Leben zu entreißen und edle Glieder hineinzuschlingen«. Auch die beiden großen Dichter Roms, Horaz und Ovid finden wir in dem Gefolge der Pythagoreer und als Sänger der gewaltfreien, vegetarischen Lebensweise.
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Einleitung
Mensch und Tier
oder Menschen und
Tiere
Vorchristliche
Konzepte
Exkurs: Die Taube
Pythagoras und
Empedokles
Von Aristoteles
zu den
Kirchenvätern
Das Judentum
Frühe
Christen /
Dogmatik /
Schlussfolgerung
Beginn der
Neuzeit /
Descartes
Das
Spieglkabinett
der Ethik
Kant, Bentham und
der Beginn des
Tierschutzes
Darwin und die
Moderne
Der schwere
Abschied /
Umweltschutz
Rechtsstellung
und Doppelmoral
Moderne
Ansätze und
Schluss

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