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Ein Vortragstext von Sina Walden vorherige Seite Seite 4 / 15 vorherige Seite

Das Tier in Religion,
Recht und Ethik


 
Exkurs: Die Taube
 
Ein Tier, an dem sich der tiefe Fall eines einst göttlichen Wesens besonders gut demonstrieren läßt, ist die Taube. Sie war der heilige Vogel der Göttin Aphrodite (Venus) und genoß kultische Ehren. Folgt man der modernen Matriarchatsforschung, war Aphrodite eine Verkörperung der Großen Göttin, die im ganzen Mittelmeerraum und im Orient in vielen Erscheinungsformen unter vielen Namen verehrt wurde, z. B. als Isis, Astarte, Demeter u.v.a. und eben auch in Tiergestalt – im palästinensischen Raum besonders als Taube. Nach der sumerischen Mythologie ist die Taube sogar die Schöpfungsgöttin. In dieser Gestalt war sie so tief in der Volksreligiosität verwurzelt, daß auch die monotheistischen Hebräer und Christen sie nicht verbannen konnten. So geriet die Taube im Dreifaltigkeitsmythos auf unbestimmte, durch keine Exegese einleuchtend erklärte, Weise neben oder über Gottvater oder in ihn hinein, als »Heiliger Geist«. Das hatte ihre positive Bewertung bis in die allerjüngste Zeit zur Folge, Kirchendächer und -böden und die Dachstühle bewohnter Häuser waren ihr sicherer Wohnsitz. In säkularisierter Form gilt sie auch heute noch als Symbol für Liebe und Frieden, (wobei sich ihre Hochschätzung auch aus der Geschichte von der Arche Noah herleitet, wo die Taube Noah das Ende der strafenden Sintflut verkündete. Aber auch Noahs Botin des Guten war da schon nicht zufällig eben die Taube!) Heute ist auch dieses wohl einzige Tier, dem es gelang, einen letzten Rest Numinosität, einen Hauch von Heiligkeit, über die Jahrtausende zu retten, fanatischem Haß und der Verfolgung aus trivialsten Gründen ausgesetzt; bis zu ihrem zynisch verordneten Hungertod durch totalitäre Fütterungsverbote in unseren Städten und Gemeinden, die ihr Lebensraum sind. Die Kirchen haben mit als erste ihre Fenster und Luken zugenetzt und vergittert; an der Heiliggeist – Kirche (!) in München konnte man monatelang tote Tauben sehen, die sich im Netz verfangen hatten und verhungert und verdurstet waren.

 
 


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Einleitung
Mensch und Tier
oder Menschen und
Tiere
Vorchristliche
Konzepte
Exkurs: Die Taube
Pythagoras und
Empedokles
Von Aristoteles
zu den
Kirchenvätern
Das Judentum
Frühe
Christen /
Dogmatik /
Schlussfolgerung
Beginn der
Neuzeit /
Descartes
Das
Spieglkabinett
der Ethik
Kant, Bentham und
der Beginn des
Tierschutzes
Darwin und die
Moderne
Der schwere
Abschied /
Umweltschutz
Rechtsstellung
und Doppelmoral
Moderne
Ansätze und
Schluss

 
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