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Eine Ansprache von Dr. Wolfgang Karnowsky 


Menschen für Tiere

Text der Eröffnungsansprache von Dr. W. Karnowsky in Düsseldorf, 30.9.2001 als Kuratoriumsmitglied der Hans-Rönn-Stiftung Menschen für Tiere


• Liebe Tierfreunde, liebe Gäste!

Namens des Kuratoriums und des Vorstandes der Hans-Rönn-Stiftung / Menschen für Tiere möchte ich Sie anlässlich unserer dritten zentralen Veranstaltung nach der Gründung im Jahre 1999 ganz herzlich begrüßen. Wieder treffen wir uns im zeitlichen Zusammenhang mit dem Welttierschutztag, der weltweit jeweils am 4.10. - dem Geburtstag des Franz von Assisi - begangen wird.

Mein Name ist Wolfgang Karnowsky; ich bin von der Ausbildung her Jurist und jetzt hauptberuflich im Menschenschutz, nämlich konkret in der Sozialpädagogik und Sozialarbeit in Dortmund tätig.

Die Preisträger selbst werden noch ausführlich vorgestellt werden. Ganz kurz schon jetzt: Es sind Frau Dolores Ozimic aus Wien, die uns die schrecklichsten Berichte, Vor-Ort-Foto-Dokumentationen über das Schächten geliefert hat und zusammen mit der Schweizerin Dora Hardegger aus Zürich, der Leiterin von Animal Life Schweiz konkrete, praktische Antischächtprojekte z.B. im Libanon und in Ägypten gestartet hat, und Herr Alexander Haufellner aus Grünwald bei München für sein drittes Buch: Elefanten im Zirkus, Ein Leben in Ketten. Diese 120 Seiten empfehle ich Jedem, der noch in einen Zirkus geht, in dem nicht nur Menschen zaubern, am Trapez turnen oder Clowns auftreten.


Eine kurze Erläuterung zum Namen unserer Stiftung im Untertitel.

• Menschen für Tiere - aus der Sicht eines Juristen und Tierfreundes

1. Ich gehe davon aus, dass Tiere ein Recht auf ein artgemäßes Leben haben. Bedingt durch die Evolution wirken sich Leiden und Schmerzen in ähnlicher Weise aus: Ob bei Pelztieren, Versuchstieren oder den Proteinlieferanten in der industrialisierten Landwirtschaft. Die Gerechtigkeit gebietet, Gleiches gleich zu behandeln. Schmerz empfindende Geschöpfe dürfen in Bezug auf ihre Leidensfähigkeit nicht ungleich behandelt werden. - Auch die von uns Menschen veranlasste Trennung von Tieren aus ihrer natürlichen Umgebung verursacht oft nur Leiden.

2. Eine Ethik, die Leiden und Schmerzen nach Möglichkeit vermeiden will, ist eine pathozentrische Ethik. Das ist letztlich auch der philosophische Sinn unserer Stiftung. Eine Ethik, die nur den Menschen sieht, wäre das Recht des Stärkeren, eben ein sog. Faustrecht.

3. Wer nur die eigene Spezies oder Art sieht - Begriffe aus der Biologie -, ist für mich ein artegoistischer Speziesist wie ein Rassist, Sexist, Chauvinist oder gar - wie ein - in diesem schlimmen September 2001 leider aktuell - fundamentalistischer Terrorist, dem nur die eigenen Ideen, die eingebildete Höherwertigkeit etwas gelten.

4. Allen leidensfähigen Mitgeschöpfen steht ein artgerechtes Leben zu. Deshalb gehört der Tierschutz endlich als Staatsziel auch ins Grundgesetz.

5. Tiere sind keine Sachen, sondern sollten Rechtssubjekte sein. Ihre Degradierung zu bloßen Messinstrumenten z.B. im Tierversuch unter Missachtung der Schmerzfähigkeit ist für Wertkonservative, Christen, Moslems und Juden, Sozialisten, Atheisten und alle andere Menschen guten Willens nicht hinnehmbar.

6. Oft sind die Gesetze noch Grenzsteine im Kampf um die Anerkennung von Tierrechten. Häufig sind einzelne Paragraphen nicht in der Praxis durchsetzbar, sie werden oft sogar zu Grabsteinen für die Tiere. Ein Meilenstein aber im Kampf gegen Tierleid ist die Hans-Rönn-Stiftung.

7. Ausgezeichnet werden heute zwei Menschen, die wieder wichtige - andere als bei den vergangenen Preisträgern - Bausteine für den Tierschutz gesetzt haben.

8. In der praktischen Arbeit der Stiftung sammeln und unterstützen wir viele kleine, aber wertvolle Kieselsteine für das Fundament einer Straße, besser einer soliden Autobahn, einer A 3xn z.B, eben einer Straße zur Anerkennung und Durchsetzung von Tierrechten als dem konsequenten Fortgang der Emanzipationsbewegungen der Neuzeit:
Beispiele: Abschaffung von Sklaverei, Kampf gegen Frauenunterdrückung, gegen Kindesmisshandlung, gegen Kolonialismus und Apartheid, -- von Preisverleihung zu Preisverleihung tragen und rollen wir durch unsere Stiftung kleine und große Kieselsteine weiter, die in ein Fundament des Tierschutzes gehören.

9. Das neue, unser 21. Jahrhundert sollte nicht damit enden, dass ein großer Teil der Tiere noch durch die weiten Maschen des Tierschutzgesetzes fällt und wir Menschen eigentlich nur jeden Tag dafür danken müssen, dass wir von unser Spezies Mensch nicht als Tiere auf diese Erde gekommen sind: Z.B. als Pelztiere, Versuchstiere, Zirkustiere oder als Fleischlieferanten bewegungslos auf Betonspaltenböden bei trübem Neonlicht ein qualvolles Leben führen müssen.....

10. Warum sollte eigentlich Noah die Tiere in der Arche vor der Sintflut gerettet haben? Die Hans-Rönn-Stiftung setzt diese Rettung heute an diesem Sonntag fort.

Wolfgang Karnowsky


 
 

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